„Guten Morgen, Textgott.“

„Moin.“

„Kunde hat sich gemeldet, die Web-Texte sind super.  Voll auf Marke und Zielgruppe, die sind extrem zufrieden und fühlen sich gut betreut.“

„Schön zu hören! Keine Änderungen?“

„Nur SEO.“

„Heißt?“

„An die Headlines musst Du noch mal ran. Jede muss mit einem der Keywords beginnen, kein Keyword zweimal in den Headlines, und etwas kürzer alles. Was ist los? Du rollst mit den Augen?“

„Die gleichen Keywords stehen auf jeder Seite der Konkurrenz.“

„Ja klar, weil sie gut sind. Danach wird eben gesucht.“

„Und 40.000 Ergebnisse werden gefunden. Ok, noch was?“

„Bodycopy. Superschön geschrieben, voll auf den Punkt. Nur zu kurz für Google.“

„Wie, zu kurz?“

„Naja, so ranken die Seiten nicht. Du hast teilweise für eine Unterseite nur acht Sätze geschrieben. Das ist viel zu kurz für Google.“

„Ich war eigentlich ein bißchen stolz darauf, einen komplexen Sachverhalt so auszudrücken, dass jeder ihn versteht. Und ganz ohne Marketing-Geschwaller.“

„Das Geschwaller brauchen wir aber.  Guck mal auf Wikipedia oder bei der Konkurrenz,  da steht alles dazu.“

„Hab ich schon geguckt. Die haben vier Sätze.“

„Dann schreib irgendwas, ist ja egal.“

„Ah, danke. Das definiert meinen Beruf ja völlig neu.“

„Du weißt doch, wie ich das meine.“

„Leider ja.“

„Also, wenn du Fragen hast, kannst du ihre SEO-Agentur anrufen. Die haben auch noch Anmerkungen.  Einiges war denen wohl zu kreativ.“

„Der SEO-Agentur ist alles zu kreativ. Was soll überhaupt sein, zu kreativ? Ist das so wie zu lecker, zu schön, zu komisch? Sag den SEO-Leuten, sie können …“

„Komm mal runter. Das Thema ist durch, wir machen Internet, nicht Schönschreiben. Ohne Suchmaschinenoptimierung findet kein Mensch deine tollen Texte.“

„Jo. Und mit liest sie keiner.“

„Mach das einfach. Die nächste Chance kommt, große Kampagne. Wurde gerade eingebrieft.“

„TV? Print? Funk?“

„Nee, Adwords.“

„ … “

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